
Frauen in der Thüringer FDP: Interview mit Gabriele Herfert
Quelle: Thüringen Liberal, Ausgabe 4, Juni 2011
Gabriele Herfert arbeitet als Sachbearbeiterin im Bau- und Umweltamt der Stadtverwaltung Sömmerda. In der FDP ist sie unter anderem als Schatzmeisterin im Ortsverband Sömmerda aktiv sowie als kooptiertes Mitglied im Landesvorstand und im Kreisvorstand Sömmerda. Über ihre politischen Ziele, Frauen in der Politik und der Thüringer FDP sprach Thüringen-Liberal-Redakteur Klaus-Dieter Landgraf mit ihr.
Was hat Sie bewegt, sich in der Politik zu engagieren?
In erster Linie ist es das Interesse an gesellschaftlichen Zusammenhängen - also der Politik im Allgemeinen. Aber seit vielen Jahren ist es speziell die Kommunalpolitik, die mich bewegt. Das ist bedingt u. a. auch durch eine langjährige berufliche Zusammenarbeit mit Kommunalpolitikern.
Worauf kommt es für Frauen entscheidend in den nächsten Jahren an?
Ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht für Frauen in allen Bereichen unseres Lebens - und dies nicht nur im Wege einer Frauenquote, kurz gesagt, engagierte Frauen nicht “vor der Tür” stehen zu lassen, sondern ihnen zu ermöglichen, unsere Zukunft aktv mitzugestalten. Dabei sollte keine Führungsebene in Wirtschaft und Politik ausgenommen sein.
Seit wann gehören Sie den Liberalen Frauen an, seit wann sind Sie stellvertretende Landesvorsitzende und was möchten Sie im Landesverband Thüringen für Frauen mitgestalten?
Kurze Zeit nach dem Eintritt in die FDP im Jahr 2008 wurde ich Mitglied bei den Liberalen Frauen. Im August 2010 bin ich dann zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der Liberalen Frauen in Thüringen gewählt worden. In unserem Landesverband sind Themen sowie Diskussionen um die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frauen sowie Vereinbarkeit von Erziehung und Beruf immer gesetzt.
Mir persönlich kommt es besonders auf die Stärkung der Eigenverantwortung an. Das bedeutet auch, Chancen und Möglichkeiten in Gesprächen aufzeigen, wenn dies gewünscht wird.
Als wichtig erachte ich es ebenso, dass wir als Liberale Frauen bei der Umsetzung unserer liberalen Grundsätze mitwirken, diese anderen auch vorleben.
Ist die Zukunft weiblich?
Die Zukunft ist und kann nicht nur weiblich sein. Es ist unsere gemeinsame Zukunft, die wir miteinander gestalten und erleben wollen.
Schließlich wäre es langweilig, wenn es z. B. nur männliche Bauingenieure oder weibliche Erzieherinnen geben würde. In allen Berufen sollten sich Frauen und Männer vorurteilsfrei bewegen und bewähren können. Entscheiden sollten dabei allein Fähigkeiten, Fertigkeiten und Leistung sein.
Was bedeutet Ihnen Vereinbarkeit von Frau und Beruf?
Das sollte inzwischen selbstverständlich sein. Schwieriger gestaltet sich für mich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besonders bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Hier darf, wie bereits gesagt, eine Familie mit Kindern für Frauen nicht den Ausschluss oder das Ende einer Karriere bedeuten. Die Gesellschaft muss Berrieren abbauen. Es sind insbesondere Funktionierende soziale Netzwerke gefragt inklusive einer ebenso gut funktionierenden Kinderbetreuung.
Engagement von Frauen erwünscht – Was wollen Sie tun, dass Frauen mehr Mut zur Politik haben?
In unserem täglichen Leben gibt es eine Vielzahl von Themen, die immer auch mit Politik, Gesetzen und Vorschrifte usw. zu tun haben. Nicht alles gefällt uns. Nur kritisieren wäre zu einfach. Mitdiskutieren, mitmachen, teilnehmen an angebotenen Veranstaltungen, um ins Gespräch zu kommen und dadurch Veränderungen herbeizuführen. Berührungsängste sollten tabu dabei sein. Ich biete interessierten Frauen an, mit uns Liberalen Frauen in Thüringen oder persönlich mit mir ins Gespräch zu kommen.
Wie kann Frauenpolitik erfolgreich in Thüringen umgesetzt werden?
In dem sich nicht nur Frauen mit Frauenpolitik auseinandersetzen, sondern sich gemeinsam mit den Männern engagieren, um gleichberechtigte Chancen in Bildung, Beruf und Politik zu erreichen. Ganz bestimmt nicht geeignet ist dafür übrigens eine “Herdprämie”.
Muss die FDP weiblicher werden?
Ich denke schon, ohne dafür jetzt die „Frauenquote“ über Gebühr zu strapazieren.
Natürlich gibt es bereits eine Vielzahl von liberalen Frauen, welche aktiv in der Landes- und Kommunalpolitik mitwirken. Das heißt nicht, dass es nicht noch mehr sein könnten.
Auf Bundesebene hat die FDP z. B. mit Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Ministerin, die sich sehr couragiert für unsere Bürger- und Freiheitsrechte einsetzt. Sie ist mit aller Konsequenz ihren Überzeugungen jederzeit treu geblieben und deshalb für mich persönlich ein „weibliches“ Vorbild in der FDP.
Wie sehen Ihre beruflichen und privaten Zukunftspläne aus?
In erster Linie mit Lebensfreude alltäglich mitten im Leben stehen, um alle Herausforderungen, egal ob privat, beruflich usw. zu meistern. Weiter möchte ich viel Zeit und Freude für und mit meiner Familie haben, was leider nicht immer möglich ist. Und nicht zuletzt möchte ich auch - um auf Ihre Frage zurückzukommen - die FDP in Zukunft etwas weiblicher machen.